1
Die Freundin des Mitmenschen. Hübsch, aber nix sonst. In meiner Gegenwart eine tödliche Mischung. Für mich. Sätze wie "Ich mag den Frühling am liebsten, da fliegen die Haare nicht so schlimm." lassen mich ersticken.
2
Der Typ im Kiosk. Versprach mir einen Tag nach meinem Einzug, den mir genehmen Tabak ab sofort vorrätig zu haben. Das ist jetzt sieben Wochen her. Und ich kaufe immer noch nur die Notlösung bei dem.
3
Der Geist aus der Vergangenheit. Schreibt mir auf einmal einfach so. Sinnfreies Zeug, das niemanden mehr interessiert. Macht 24 Stunden Seele schmerzen, während man versucht zu verdrängen, dass Geister wirklich nicht gut sind aber anscheinend wirklich existieren.
4
Die Frau auf dem Amt. Und der Herr vom anderen Amt. Erklären mir die Bürokratie in Deutschland. Verstehe jetzt zum 1000sten Mal, wie ABM funktioniert und warum der Steuerzahler sinnfrei Geld in die Amtmaschine pumpt. 60 Euro für eine neue Steuernummer. Deppen.
5
Zu viele Pärchen auf einem Haufen. Besonders, wenn mindestens eine Person davon Trekkingschuhe trägt.
6
Der Disco-Grapscher. Hat schon seinen Freund vorgeschickt, der bei mir abgeblitzt ist. Legt mir den Arm weiter als nötig um die Taille und labert mich an. Anfassen verboten, hast du das an meiner schwarzen Aura nicht erkannt, du Penner? Ich tu so, als würde ich nix verstehen. Für eins in die Fresse ist mir der Typ zu breit und zu groß.
7
Die Kellnerin. Nimmt meine Bestellung auf und versteht statt Alster "Eis". Ist durchweg dermaßen professionell freundlich, dass ich mich frage, wann und wie die mal ihre Aggressionen ablässt. Bringt dann ein kleines Alster und rechnet ein großes ab. Trinkgeld ade.
8
Kunden. Zumindest die, die mit der Bezahlung anscheinend aus Prinzip bis zur zweiten Mahnung warten. Einzelkämpfern ihr "Monatsgehalt" vorenthalten ist schäbig. Mehr als das.
9
Menschen, für die Gastfreundlichkeit ein Fremdwort ist und die vor Besuch erst mal googlen müssen, wie das geht.
10
Das Date. Kommt mir mehr als nur einmal in meinem inneren Kreis bedrohlich nah. Ich muss Sätze sagen wie:"Nicht so nah!" und "Nicht anfassen." Ich wollte kein Date. Das wurde mir versprochen. Und nicht gehalten. Grillfeuer kann er auch keins machen. Da rettet dann auch sein Humor nichts mehr.
11
Rüdiger. Mit einer Freundin in einer Bar kennengelernt. Wollte unsere Telefonnummern zwecks Anschluss als Zugezogener. Als er endlich zugezogen ist und wir uns verabreden, erkläre ich ihm freudig, dass Zeit- und Ortwahl prima wären, da ich "sowieso mit meiner Freundin unterwegs bin und die kennst du ja auch noch...". Es folgt ein abfälliges "Ach, die ist dann auch dabei?" – solche menschlichen Fehltritte zünden bei mir leider nicht immer sofort. 24 Stunden später sage ich ihm eiskalt ab.
12
Mein Verstärker, mein Auspuff, meine Nebenkosten-Nachzahlung. Kostenintensive Scheiße, die niemand bestellt hat. 186 Euro für letzten sieben Monate wohnen in der alten Butze. Der Formel-1 Sound am Auto ist solange cool, bis man an der Ampel von einem Hintermann freundlich auf den tiefhängenden Topf aufmerksam gemacht wird. Der Verstärker brennt durch, als ich mit brachialer Musik böse Geister vertreiben möchte. Archive – Again in Halblautstärke macht dummerweise auch nur halb so viel bis gar keinen Sinn.
Ich packe das Lied auf meinen Player zu den anderen Geistvertreibersongs, erkläre meinen Mitbewohnerinnen wie man an meinem Rechner Fernsehen anmachen kann und steige in den Flieger.
Link: Ballastexistenzenhasserlied
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