11.11.08

Raus.

Letzten Samstag.
Ich hatte beschlossen, mich nach über drei Monaten Abstinenz mal wieder nach Mitternacht ausser Haus zu wagen um das Tanzbein mit den kleinen Tanzfüsschen zu schwingen. Aus mehreren Grünen: lange Abstinenz, testen des Fitnessfaktors, wie komme ich mit der Atemnot zurecht? Wird sie mich umhauen?, Lieblingsparty im Lieblingsclub.
Ich zücke sogar zum ersten Mal den vor über drei Monaten gekauften kohlrabenschwarzen Lidschatten und schminke mir geduldig smokey eyes. Das mit den künstlichen Wimpern klappt ja ohne fremde Hilfe nicht und die fremde Hilfe wohnt schon in Hamburg.
Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, dass ich vielleicht doch nicht außer Haus gehen sollte: Heizung und Scheibenwischer im Auto kaputt, Atemnot, unbekannter Fitnessfaktor, fünf Minuten vor Abfahrt Finger im Kippfenster eingeklemmt.
Also ramponiertes Make-up aufgefrischt, zusammengerissen und raus.

Alles ist voller Zeichen in dieser Welt. Nicht nur die ab 2009 kommende Mieterhöhung ist ein Faktor, der mich wünschen lässt, ich könne so schnell wie möglich von hier weg – nein, ich stelle auch fest, dass meine Party in meinem Club eine selstame Metamorphose durchgemacht hat, von der ich nicht weiß, ob sie einfach als "Lauf der Dinge" bezeichnet werden kann oder als "Hilfe, jetzt kommen solche Leute auch schon hierher!"
Die Indie-80er-Skinnyjeans-mit-Chucks-Mode hat alle überrollt. Vorwiegend jene, die es eigentlich nicht tragen können. Dazwischen mischen sich Menschen, die ihre Gogo-Tänzerinnen-Freundinnen dabei haben und ich werde von einer Frau angetanzt, die mich auf eine Art und Weise anfasst, dass ich mich nur mühsam beherrschen kann (Konsequenzanalyse).
Von den bekannten Gesichtern, die man auch nach einem halben Jahr Pause wieder erkannt hat keine Spur. Von der sonst ziemlich guten Musik auch. Als ich ein bisschen zapple, fällt ein Pärchen halb über mich drüber. Ich halte es bis halb drei aus, dann haue ich wieder ab und überlege, ob ich jemals wieder hingehen soll.
Konsequenzanalyse.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Leute in den nächsten Wochen aus dem Club verschwinden oder sich eine neue Garderobe zulegen ist gering.
Nachdem die Musik über die Jahre eher schlechter als besser wurde, wird sich auch das in den nächsten Wochen nicht ändern.
Es ist nicht schlimm, das Ganze zu verlassen, schliesslich bin ich nicht gezwungen, mir Ersatz zu suchen, ich bin in Gedanken ja schon weg.

Abgehakt. Wildstyle im Hirsch – da geh ich nicht mehr hin. Oder maximal noch einmal...

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