"Beim Club Bizarre spielen sie immer saugeile Musik" – Wieso höre ich eigentlich auf andere Menschen, wo ich doch weiß, dass ich mich in dieser Hinsicht besser auf meinen Instinkt verlassen sollte? Ich weiß es nicht. Aber die mir momentan ureigene Mischung aus absoluter Gleichgültigkeit, dem Bedürfnis, jeden Scheiß mitmachen zu müssen und die Hoffnung, meinen Horizont auf irgendeine Weise zu erweitern trabe ich Freitag Richtung Parkcafé. Es dauert keine zehn Minuten da drin um zu erkennen, dass mir ein langsamer, qualvoller Tod bevorstehen wird: Zu viele Menschen. Zu viele billige Tussis. Zu viel "Ficken!"-Schriftzüge auf den Stirnen. Zu viele Hemden. Zu viele Stiefel. Und das Allerschlimmste: Zu viel Chaos auf der Tanzfläche. Alle drängeln, ich kann nur ohne Arme tanzen und das hab ich nicht gelernt.
Zu allem Überfluss treffe ich auch noch Leute, die ich kenne und habe somit Zeugen für meine Anwesenheit. Eigentlich wollte ich nach diesem Baum-Prinzip (Ein Baum fällt um, niemand hört es – gab es wirklich ein Geräusch?) wieder verschwinden: Wenn mich niemand dort gesehen hat, war ich dann wirklich da?
Leute treffen bedeutet Informationsaustausch. Und weil ich beim Ausgehen meist keine Lust darauf habe, sage ich nichts. Dafür werde ich mit genau der Art von Informationen überschüttet, die ich nicht hören will und die mir meine Feierlaune mit einem Schlag aus dem Kopf hauen.
Nicht weit viel später gehe ich nach Hause. Mit noch leereren Akkus als vorher. Geplant war es eigentlich umgekehrt.
Samstag trinke ich mich ab dem Nachmittag durch diverse Alkoholika (Feuerzangenbowle, 43er mit Milch) und als ich in den Club losziehe, ist der Rest vom 43er endgültig weg. Davon merke ich nichts, klug wie ich bin, aß ich Lachs zum Abendessen.
Und weil Samstag Samstag ist und nicht Freitag, weil ich ausnahmsweise in Begleitung bin und weil ich den vorigen Abend aus meinem Kopf tanzen muss und weil die Birne einfach mal aus sein soll wird der Hirsch mein Tempel und der DJ ist Gott.
Irgendwie ist es wie früher. Ich steige hinterher sogar nicht ins Taxi sondern mit den anderen in den Nightliner, obwohl der Gottesdienst noch nicht zu Ende ist. Meine Luft aber schon.
Irgendwie hat das Wochenende doch Sinn gemacht.
Den Horizont erweitert hat es auf jeden Fall.
Amen.
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