
Leider taucht hier mein Reisebericht nach China bisher gar nicht wirklich auf, da ich aus Zensurgründen vor fast zwei Jahren Verteiler-Mails an euch schreiben musste. Bevor ich kommentarlos ein paar Bildimpressionen poste, möchte ich lieber kurz eine kleine Anekdote erzählen, die ich auch in den Sammelmails nicht erwähnt habe:
Am vierten oder fünften Tag – ihr erinnert euch: mir und Mike waren von fiesen und hundsgemeinen Chinesen sämtliche Elektronikas und Chash-Bestände aus dem Hotelzimmer geklaut worden – zahlte ich horrende 15 Euro für ein uraltes, aber neues Handy, welches nun mit einer SIM-Karte bestückt werden wollte.
Ich trabte also in den nächsten Handy-Laden, in etwa so groß wie ein gängiger E-Plus-Shop, mit Wartestühlen und Schreibtischen im Reisebürostyle und einem uniformierten (!) Wachmann an der Tür (??), der einem diese freundlich lächelnd öffnete. Ich versuchte, dem netten Asiaten im Anzug mir gegenüber an einem dieser Schreibtische in flüssigem Englisch meinen Neubedarf einer SIM-Karte zu kommunizieren, der mich freundlich lächelnd wohl kaum bis gar nicht verstand. Nach dem dritten Versuch kam so etwas wie ein "Aha" über seine Lippen, er winkte den uniformierten Wachmann heran, sagte etwas auf chinesisch, und nickte mir zu, ich solle dem Herren ruhig folgen.
"Aha," dachte ich, "wir gehen jetzt zur SIM-Karten-Ausgabestelle". Dumm, oder? Was man sich in so fremden Ländern denkt, aber ich war noch keine Woche da und von den Nachwehen meines iPod-Klaus noch zu überfordert.
Der Uniformierte und ich verließen den Laden. Ich hörte auf zu denken, weil ich nun nichts mehr verstand. Wir hielten an einer Art Kiosk drei Häuser weiter. In der Auslage lagen komische Snacks, Zigaretten und Getränke. Der Wachmann nuschelte etwas mir natürlich Unverständliches und verschwand, der Kiosk-Besitzer nickte und ich stand nun plötzlich allein vor Zigaretten, Snacks und Getränken. Merke: Ich wollte immer noch einfach nur eine neue SIM-Karte kaufen.
Mir wurden eine handvoll DIN-A-4-Pappschildchen unter die Nase gehalten, darauf standen Nummern, rechts daneben der Preis. Klar, die unterschiedlichen Tarife. Tarifkonditionen waren nicht ersichtlich. Egal, ich wollte ja nur anrufbar sein und im Zweifelsfall aus Peking einen Notruf nach Shanghai an meinen Gastgeber absetzen können. Also wähle ich eine mittelteure Nummer um die drei Euro. Kann man ja nicht viel falsch machen.
Ich bekomme einen kleinen Umschlag im Scheckkartenformat ausgehändigt und bin mit einem Nicken entlassen. Voilà le SIM-Karte!
Ein paar Stunden später Nummerntausch mit Mike. "Was hast du denn für die Nummer gezahlt?" möchte er wissen.
"Drei Euro oder so."
"Was? So teuer? Gabs keine billigere?"
Ich bin leicht verwirrt. "Klar, gab auch welche für einsfuffzich."
Mike kichert. "Du weißt schon, dass Chinesen abergläubisch sind und Telefonnummern mit 'schlechten' Zahlen eher nicht wollen und deshalb mehr 'Glückzahlen' haben wollen und dafür auch gern mehr Geld ausgeben?!"
Nö, wusst ich nicht. Also, irgendwie schon, aber irgendwie greift dann wieder die Standard-Floskel: Wusste ich, habe ich aber nicht umrissen!
So. Un jetzt wisst ihr, warum in meiner chinesischen Telefonnummer mindestens eine 4 und auch eine 7 vorkam und ich dafür einen mittelteuren Preis zahlen musste: Das sind Zahlen, die sind wirklich nicht sonderlich gern gesehen in diesem komischen Land!
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