Gestern war ich unterwegs, im Sinne von "aus". Und zwar bekam ich spontan Lust auf Kino, fand im aktuellen Programm nichts, was mit vom Hocker gerissen hätte ("Gott des Gemetzels" und "J.Edgar" werde ich mit Begleitung gucken, fiel deshalb aus der Auswahl) und entschied mich dann für "Kurzfilm Slam" in den Zeise Kinos in Altona.
Dummerweise haben sich auch 3 Milliarden andere Menschen ebenfalls dazu entschieden, ich begegnete also beim Betreten des Kinos einer Kassenschlange, die ähnlich der war, in der ich damals nach dem Krieg stundenlang auf Maismehl warten musste.
Das Slam-Prinzip ist schnell erklärt: Für sieben Euro bekommt man Zutritt zu einem Kinosaal, in dem 4 bis 5 Filme gezeigt werden, die von einer strengen Jury bewertet werden, davon einer aus der Kategorie "Finden wir schön, wollten wir euch zeigen".
Zu gewinnen gibt es ein 2-tägiges Kamera-Seminar in Berlin im Wert von über 200 Euro.
Die Jury gestaltet sich aus 5 beliebig ausgewählten Publikumsgästen, die laut genug brüllen, weshalb sie fähig seien, die kommenden Filme zu bewerten. Klar, dass ich Jurymitglied werde. Noch vor wenigen Stunden hatte ich mit meinem Kollegen noch so druckreife Sätze wie "Eyes Wide Shut ist so zäh wie eine Dusche mit Honig." ausgetauscht. Wer also sonst, wenn nicht ich?
Es stellte sich schnell heraus, dass dies keine Filmemacher-Förderung-Veranstaltung ist. Gezeigt wurden Filme, die teilweise von Regisseuren gemacht wurden, die auch schon 25 Folgen Großstadtrevier gedreht haben oder im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten Menschen- und Flüchtlingsrechte unterstützen wollen.
Ich bewerte nach folgenden Kriterien:
- Optik des Films
- Optik der Hauptdarsteller
- wie oft sieht man Hamburg
- wie lustig sind die Macher/Schauspieler im Interview danach
Ich sehe Filme wie Science is the Future (oder so ähnlich), ein Animationsfilm mit wirklich grusliger Optik und einer Story, die man auch in der Hälfte der Zeit hätte erzählen können. Am schlimmsten ist "Von Hoffnung und Menschen", eine 1:1-Kopie eines Werbespots für Versicherungen oder Altersvorsorge, ich habe es vergessen. Altbackende Idee, handwerklich solide gemacht, aber auch extrem abgelutschtes Prinzip. Gefilmt in Hamburg, im Interview danach nur dummes Geschwätz:"Es war so faszinierend, dass manche Menschen bereit sind, völlig Fremden ihre Träume zu erzählen." Blablabla.
Der Gewinner-Film ist "Wie ein Fremder", ein Film mit Haudrauf-Botschaft über Flüchtinge, die in der Duldung festhängen. Die Story ist vorhersehbar, aber trotzdem schön erzählt und der Hauptdarsteller auch nicht sooo verkehrt. Er kommt übrigens aus Gießen, hättet ihr es erraten?
"Trittschall im Kriechkeller", eine Serienreihe mit Heinz Strunk bietet die beste Lachfrequenz, aber was soll ich mit meiner Macht als Jurymitglied einem professionellen Filmemacher/Schauspieler/Team noch ein Kamera-Seminar in Berlin ermöglichen? Eben.
Ich verlasse das Kino mit dem Wunsch, nebenher noch irgendwo meine eigene Filmkritiker-Glosse unterzukriegen. Also, falls jemand was weiß...
Und hier für euch noch das Kurzfilm-Bonbon, Bob ist wirklich sehenswert, muss man aber fertig gucken, denn die Pointe ist nicht die eigentlich Pointe.

Bob ist super!! :-))
AntwortenLöschenJa, hätte Bob mal nen Kia gehabt, hätte der das auch schneller rausgekriegt ;)
AntwortenLöschenhttp://www.youtube.com/watch?v=Oz_AhAN0s4E&feature=related