30.1.12

Anekdote: Teneriffa, Heimflug

Alle, die die Geschichte schon kennen, brauchen nicht weiterlesen. Es folgt die Geschichte meines Rückflugs von Teneriffa Süd nach Hauptwohnsitz Hamburg.

Ich war rechtzeitig am Gate. In Teneriffa sollte man mittelaufmerksam am Gate sitzen, denn es kann passieren, dass man zur Sicherheit nochmal die Anzeige checkt und 10 Minuten später nochmal und dann feststellt, dass der Heimflug sich in einen Flug nach Malaysia verwandelt hat, und dass das in fünf Minuten beginnende Boarding zum gebuchten Flug plötzlich am anderen Ende des Terminals stattfindet.
Ich sitze also mittelaufmerksam am Gate, die Stöpsel in den Ohren. Zur Sicherheit mache ich die Musik leiser, da permanent Durchsagen erfolgen. Zur Sicherheit nehme ich einen Stöpsel aus dem Ohr, man kann ja nie wissen.



Seid ihr schon mal am Gate sitzend mit Flugnummer und Namen aufgerufen worden? Ja? Nein?
Ich finde, es ist eine Art von Nervenblankleger, die braucht man a) generell nicht und b) besonders nicht am Ende eines Urlaubs, des zwar erholsam, aber auch bis zu einem gewissen Grad unter "verregnet" verbucht werden kann.
Jedenfalls hörte ich meinen Namen inklusive Flugnummer in einem kanarisch-englischen Kauderwelsch-Akzent endend mit der Bitte, zur Information zu kommen, und sofort wusste ich, worum es geht:
- Der Portwein, den ich im Rucksack hatte, darf nicht ausgeführt werden
- von den 14 Kilo Gepäck sind gefühlt 9 kg Souvernirs, sieben davon Lebensmittel, das verstößt bestimmt gegen alle Lebensmittelrichtlinien der europäischen Flugunion
- jemand hat Drogen in meinen Rucksack geschmuggelt und die Hunde (welche Hunde?!) haben es gerochen
- ich habe während meines Urlaubs irgendetwas Illegales fotografiert und darf jetzt nicht ausreisen, es sei denn, ich stelle den kanarischen Behörden meine Speicherkarte zur Verfügung.

An der Information stehen weitere Passagiere, was meinen Verdacht erhärtet, wir wären als Drogenkuriere von der kanarischen Mafia missbraucht worden. Man kann mir nichts sagen, das einzige, was wir alle wissen und nicht näher erläutert bekommen, ist: Wir werden das geplante Flugzeug nicht betreten. Warum? Das wird uns gleich eine Dolmetscherin erklären.
Die Dolmetscherin kommt professionell lächelnd mit einem Paket Bordkarten angestöckelt, händigt uns diese aus und wünscht eine gute Weiterreise, wir mögen die Umstände entschuldigen.
Welche Umstände???
Ach, Sie wissen es noch nicht?
Die nette Dolmetscherin erklärt uns in flüssigem Deutsch, dass die Maschine, die uns aus Hamburg nach Hamburg holen sollte, in Hamburg gar nicht erst gestartet ist, weswegen wir jetzt alle in andere Maschinen umgebucht werden, die nach Deutschland oder an und um Deutschland fliegen.
Auf meinem Ticket steht Salzburg.
Na toll, immerhin stimmt schon mal die grobe Richtung.
Der Herr neben mir tickt total aus. Grandioserweise direkt neben mir. Das wäre eine Unverschämtheit, er könne dieses Gebaren nicht akzeptieren (welches Gebaren?). Die Dolmetscherin schlägt im höflich vor, alternativ eine weitere Nacht auf der Insel zu verbringen. Das wird abgelehnt. Na also, geht doch. Zwischendurch knurre ich im hinterher, dass sein Gebaren eine Unverschämtheit ist, aber der deutsche Durchschnittscholeriker fühlt sich ja grundsätzlich und immer absolut im Recht.
Ich frage, wie ich von Salzburg nach Hamburg kommen soll. Das wisse man noch nicht, das würde man vor Ort klären.
Ich habe nichts gegen Vorortklärung, aber ich habe am nächsten Tag um acht Uhr Handwerker in Hamburg vor der Tür stehen, denen ich gegebenenfalls kurz kommunizieren möchte, dass ich ihnen leider nicht die Tür aufmachen kann.
Ich erinnere mich an das Mike-Mantra ("Probleme lösen wenn Probleme da sind!"), schalte total ab und setze mich auf Platz 2A neben zwei sehr verhutzelte Salzburger Damen, um viereinhalb Stunden später vollgefressen und locker flockig den Flirtinger machend ("Was? Sie finden, 90 Jahre ist alt? Wissen Sie, wie alt die Erde ist? Da sind Sie ja noch nicht mal ein Teenager!") in eine gottseidank wartende Maschine nach Hamburg umzusteigen.
Zwischendruch darf ich in diesem niedlichen Miniaturflughafen noch schnell eine neue Bordkarte in Empfang nehmen mit dem Hinweis "Hm, i glaub, Ihr Gebäg hots ned gschaaft". Hm, dumm, da sind die Jacken drin. Alle beide.




Neben mir sitzt der Austicker und ergeht sich in panoramaartig anmutenden pathetischen Verschwörungstheorien.
"Das macht Air Berlin immer so. Wenn die Maschine nicht voll genug ist, dann lassen sie den Flieger am Boden und buchen die Leute um. Das kommt die billiger."
Ich lasse mich gnädig zu einem Hinweis herab:"Wissen Sie, was es eine Fluggesellschaft kostet, wenn ihre Maschine über Gebühr länger am Gate steht als geplant? Und wissen Sie, auf wieviel Maschinen wir verteilt wurden? Ich bin nicht sicher, dass das eine Rechnung ist, die aufgeht."
Aber er hört mir gar nicht zu.
In Hamburg gelandet, landen wir alle am Lost+Found-Schalter. Klar, das Gepäck hat die Flugzeug-Wechselei nicht schnell genug mitgemacht. Die Frau des Cholerikers signalisiert uns allen, dass sie jetzt mit dem Auto nach Hause fahren wollten, der Autoschlüssel aber im Koffer sei und der Koffer irgendwo über irgendeinem Kontinent, weswegen jetzt ihre Tochter zum Flughafen komme um den Ersatzschlüssel zu bringen.
Na, da haben sich ja zwei gefunden. Verpeila und Screamo.
Ich wickle mir in Ermangelung meiner Jacken den Schal um den Körper und ziehe zur Sicherheit auch das Schlafanzug-Sweat drüber. HaVauVau, take me home. Now.

Keine 24 Stunden später kann ich meinen Rucksack inklusive 7 Kilo Fress-Souvenirs wieder in Empfang nehmen.

Hasta luego!


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