11.9.08

Ostkueste und ein bisschen Terry Gilliam

Einen Eintrag ueber Fraser Island brauche ich ja nicht mehr nachtragen, die seniorenfreundliche Tour wurde ja von Syl sehr ausrufezeichenreich erzaehlt. Der groesste Inselsandhaufen der Welt erinnert ein bisschen an Sylt, nur in viel groesser aber ich mag ja die Brandung, die Duenen und den klaren Himmel drueber. Insofern war es schon alles in Ordnung. Die Zeit, uns die Touristenfallen anstaendig auszusuchen haben wir ja leider nicht. Aber: Die ruestige aeltere Dame aus Kanada habe ich auf der Tour wiedergetroffen, wir hatten schon einige Lacher bei unserem Besuch des Koala Santuary. Sie sagte als wir uns wieder sahen: "Must be a VIP area here!"

Lake Mckenzie ist von fein, feinerem und feinstem Sand umgeben und wer sich damit schnell abpeelt hat eine Haut wie nach 300er Schleifpapier. Und ja, auch daran kann man sehen, dass ich auch manchmal damenhaft unterwegs bin und mich mal um meine weiche Haut kuemmern muss.



Nach Gladstone kommt dann Rockhampton. Mit historischer Innenstadt. Sprich: Es sieht aus, als wuerden sie hier noch Western drehen. Geschmackssache also. Aber zuerst entern wir den Botanischen Garten mit Zoo mit freiem Eintritt. Der Zoo ist dementsprechend anspruchslos, aber doch ganz nett fuer einen Spaziergang durch. Dann einen Schlenkerer ueber die eigentlichen botanischen Ecken dieses Gebiets und dann zum Kiosk. Der ist unter riesigen Baeumen, schattig und nicht wirklich gemuetlich. Aus den Lautsprechern saeuselt Billie Holiday. Das ist so sehr Terry Gilliam, dass ich mich fuer einen Moment hinlegen und die Augen schliessen moechte. Geht aber nicht. Schade.

Die Innenstadt von Rockhampton ist historisch, sprich: Westernhistorie zum Anfassen, muss man moegen, meins ist es nicht. Mit Kaffee und Beef-Pie hat man diesen Programmpunkt in zwei Stunden abgehakt.



Die Fahrt nach Mackay ist die wohl bisher australischste gewesen. Langsam verstehe, wie der nachbarschaftliche Satz "Das sind Entfernungen, das kannst du dir gar nicht vorstellen." gemeint war. Es ging nicht um die Kilometer (diese Etappe ca. 300), sondern um die wirklich null vorhandene Zivilisation dazwischen. Noch weniger als in USA.. und da war es schon nicht viel...

Sprich: Busch, Savanne, Kaenguruhs, Berge, Himmel, Strasse. Und das bei einer Geschwindigkeit von 100 kmh. Da setzt die Muedigkeit ein, sobald man hinter dem Steuer sitzt. Abgesehen von ca. vier Millionen Insekten geht auch mittlerweile ein Vogel auf das "mit dem Auto getoetet"-Konto. Aber welcher Piesper ist denn auch so bekloppt und fliegt auf Kniehoehe??????? Die drei Kaenguruhs eine halbe Stunde spaeter blieben dank Vollbremsung am Leben, das waere haesslich geworden. Ja, ich habe nicht darauf geachtet, ob jemand hinter mir faehrt und nein, das Auto hat kein ABS. Die Ankunft in Mackay ist dann ein Hoehepunkt. Dachte ich zumindest. Alle Hostels waren voll, also buchten wir ein guenstiges Hotel. Ich freute mich bereits auf eine Dusche ohne Flipflops, auf ein anstaendiges Fruehstueck aber die Freude hielt nur solange, bis wir im Zimmer standen. Es war nicht dreckig oder so. Aber das Fenster ging nicht auf. Die Luft stickig und zum ersten Mal in meinem Leben stehe ich in einem (merke: nicht schmutzig!) Raum, der mich nach Betreten sofort wieder rueckwaerts rausschickt. Mit einem Faustschlag. Ein Sekunde nach Uberschreiten der Schwelle hab ich das Gefuehl, ich muesste sterben, wenn ich zu viel Zeit in dem Zimmer verbringe. Der Teppich hat Blumenmuster, sieht aus wie ein degeniertes Leopardenfell. In solchen Momenten bin ich dankbar fuer Alkohol und Handys. Ein unschlagbar billiger Sixpack fuer 8-9 Euro und eine Sms retten mich (und der mp3-Player). Ich bleibe also ruhig - das ist ja ein Abenteuer (Zitat). Und schlafe nach zweieinhalb Bier mit voller Montur prompt ein.
Das Fruehstueck am naechsten Morgen ist solange in Ordnung, bis ich merke, dass das hoteleigene "Restaurant" in einem Vorraum zu einem Nachtclub ist und die Fenster die Scheiben von so extrem breiten Schiebefalttueren. Syl meinte, sie haette schon beim Reinfahren in Mackay gemerkt, dass das alles nicht ganz koscher ist, ich nicht, aber wenigstens wissen wir, dass der Wille da ist, zur Not auch im Auto zu pennen.

Eungella ist die naechste Station, ein grosser Nationalpark und gewiss keine Touristenfalle. Waelder sind ja immer irgendwie toll und seit Gomera weiss ich, dass sich das Betreten eines solchen meistens lohnt. Es ist auch wirklich so regenwaldig wie man das aus den Filmen kennt, auch in Bezug auf die Geraeuschkulisse. Schnabeltiere haben wir leider keine gesehen, aber wir waren auch nicht zu den richtigen Zeiten da.

Auf dem Rueckweg halten wir in Eungella an einem relativ weit oben gelegenen Cafe. Der Ausblick ins Tal ist prima und der Garten ist bunt und kitschig mit Skulpturen aus bunten Steinen. Wir trinken einen Cappucino aus Rosentassen und essen selbstgemachten Apfelstrudel. Die Betreiberin des Etablissements heisst Suzanne und stellt sich nach einiger Zeit als Deutsche heraus. Suzanne ist 70, hat eine Figur wie 35, ein von Botox entstelltes Gesicht und ist im Kopf zu hundert Prozent in Wuerde gealtert. Sie hat keine Kinder, lebt seit 40 Jahren in Australien, davon 20 in Eungella und hat hinter dem Haus einen selbst gestalteten Kitsch-Garten, den sie sieben Jahre lang selbst mit ihren Steinskulpturen und ihren eigenen Haenden maschinenlos angelegt hat. Ausgesuchte Gaeste duerfen durchgehen und ihn sich anschauen. Es ist bunt, kitschig, Musik aus dem Lautsprecher und der wohl einzige echte Maerchenwald auf diesem Planeten. Das ist schon wieder so Terry Gilliam, dass ich eine Gaensehaut bekomme. Suzanne tauscht noch eine Stunde Lebensweisheiten mit uns aus, dann kommen neue Gaeste und wir fahren weiter.

Akunft in Airlie Beach: Laut, es stinkt und es ist ein bisschen wie am Ballermann. Wie es dann hier weitergeht schreibe ich erst in drei Tagen, wir machen morgen einen Segeltrip durch die Withsundays.

Ich habe leider keine Zeit mehr uebrig, wegen Tippfehlern und aehnlichem durchzulesen, bitte verzeiht.

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