24.9.08

Psiiiilabim

Der Jeder-fuer-sich-Tag ging relativ ereignislos zuende, bis wir beim Rauchen Anke trafen. Anke ist Weltreisende, 30, und hat die hier rumreisenden Abiturienten-Travelworker genau so satt wie ich. Nicht lange und es ist klar: Mit Anke geht auch ein Bier. Syl seilt sich ins Zimmer ab, kommt nicht mehr mit. Ich lerne: Man kann in Australien auch Radler bekommen, wenn man es explizit bestellt. Ist dann auch sogar billiger als normales Bier.
Anke hat die gleichen Ansichten zu diesem Haufen roter Erde hier wie ich und so quatschen wir uns fest. Zum Schluss sind wir sogar zu dritt. Gabriel, 21, ein Travelworker kommt noch dazu, der hier zwar seine Freundin kennengelernt hat, aber trotzdem ueberlegt, ob er statt der Zeit in AUS nicht lieber ein paar Monate von Perth nach Suedafrika rueberfliegen soll. Kluger Junge, hat er bestimmt mehr von ("Cairns bockt mich grad echt nich so").

Als ich nach einer spaeten Inet Runde und Heimatverbundenheit ins Zimmer gehe, liegt ein Typ auf dem bisher leeren Stockbett und trainiert grad fuer den Schnarchmarathon. In einer Lautstaerke, die selbst Ohropax und einen ueber den Kopf gebundenen Pulli massiv durchbohrt.
Dass er sich nebenher rumwaelzt als waere er Epileptiker und furzt ist mir egal, auch der Anblick seiner weissen Feinrippunterhose, aus der alles, was nicht mehr reinpasste, seitlich raushaengt laesst immer noch Gleichgueltigkeit wirken. Aber Auf Schnarchen reagiere ich massiv aggresiv. Ich murmel vor mich hin, dass ich ihm seine Fresse zu Brei schlagen werde, entscheide mich dann aber fuer die friedlichere Variante: Schlafen auf ner Liege am Pool. Waere super gewesen, wenn nicht schon alles abgeschlossen waere. Syl ist auch wach. Wir machen Licht, die Klima extrem kalt und gucken Traenen lachend diesem stinkenden Typ beim Pennen zu. Nach einer Raucherpause kommt Syl auf eine prima Idee: "Warum malen wir ihn eigentlich nicht an?" Was im Klartext bedeutet, dass sie mir den Permanentmarker gibt und ich den Typ mit Blockbuchstaben, Frauentelefonnummern und Strahlen um die Brustwarze vollmale. Irgendwann zwischen drei Uhr nachts und Daemmerung verstummt die Geraeuschkulisse und ich kriege mal wieder bombenviel Schlaf ab. (Anmerkung an alle Wenigschlaefer: Vielleicht sollten wir einen elitaeren Club aufmachen...)
Im Hostel in Cairns stehen herrenlose Buecher im Regal. Ich nehme mir fuer den Flug das einzige deutsche mit: Simmel - Die im Dunkeln sieht man nicht. Na ja, besser als nix.

Der Flughafen in Cairns sieht aus wie jeder andere auch: Koennte auch Teneriffa oder Palma de Mallorca sein, ein helles Gebaeude mit Palmen drumrum. Hier laesst dann auch die so viel gepriesene australische Freundlichkeit merklich nach. Ich kann froh sein, wenn ich auf meine Fragen Antworten in halben Saetzen bekomme. Die Stoepsel im Ohr sorgen fuer einen leichten Schlaf ueber den Wolken, aber insgesamt bin ich mal wieder froehlich uebermuedet.
Die Ankunft in Darwin funktionierte auch alles andere als planmaessig: Wir bekommen am Flughafen keinen Camper, geschweige denn eineinhalb Stunden vor Bueroschluss der Car-Rentals und Kilometer ausserhalb des Zentrums irgendeinen anderen Wagen. Also erst mal rein ins Hostel, Amanda angerufen, Bier gekauft, beratschlagt. Ich bin massiv schlecht gelaunt, weil durch diese budget-orientierte Planerei und eine weitere Person extrem Zeit verloren geht. Vor allem, wenn man sich bespricht und nur vage Informationen austauschen kann wie: "Ich habe einen getroffen, der hat gesagt, dass das und da und so ziemlich teuer sein soll" (Das ist uebrigens kein Vorwurf, sondern sind halt die Umstaende) Als der Vorschlag kommt, zu dritt in einem Kombi auf einem Campingplatz zu pennen, sage ich gar nichts mehr.
Die bisher entstandenen Plangerueste A bis C muessen also morgen frueh ueberprueft und konkretisiert werden. Erwaehnte ich, dass wir morgen frueh eigentlich in den Kakadu Nationalpark starten wollten?

Von Darwin habe ich nur eine Strasse und den Park am Strand entlang gesehen - zu wenig, um ein differenziert betrachtetes Urteil abgeben zu koennen. Aber man kann auch ein Kids-Menue in einer Bistrobar bekommen, das ist doch schon mal sehr nett.
Schwuel ist es hier. Nicht so wie in Singapur, aber schon ordentlich.

Was ist dekadent? Im Urlaub seinen naechsten Urlaub zu planen. Da das Inet hier umsonst ist, werde ich das jetzt machen...

Kleiner Vokabelhelfer: water from the tab - Leitungswasser, immer umsonst

Track des Tages: Nat King Cole - The Very Thought Of You

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