13.4.09

Doppelbuchung

Träume sind verboten. Ab jetzt!
Eigentlich sind sie das schon länger, seit dem ich mir angewöhnt habe, zu machen, was ich will. Bevorzugt auch wann ich es will und mit wem ich es will. Es gab nur zwei Überbleibsel aus einer verträumten Zeit, eine Winzigkeit und eine etwas größere Sache, nicht fünf oder zehn, nein, nur zwei, und trotzdem – zerreißen kann ich mich nicht.

Wenn zwei Menschen einen Traum haben, bleibt meist einer übrig, der das dann auch in die Tat umsetzt. Träume sind Schäume und geteilte Träume das Sinnloseste, was dieser Planet jemals gesehen hat. Noch weit vor meinem bisherigen Favoriten, dem Konjunktiv.
So begrub ich alle bisherigen Abmachung zum Thema großer Teich und buchte New York – allein. Weil es nichts mehr zu teilen gibt. Ich mache das jetzt. Ich mache das jetzt. Ich mache das jetzt.
Außerdem – haha! – kenn' ich dann da drüben jemanden. Ich muss nicht zu zweit da rüber fliegen. Ich muss gar nix.

Die Beflügelung hält ausnahmsweise nur kurz: Circa 40 Stunden später – ich laufe gerade von der Außenalster Richtung Univiertel – ziemlich genau kurz vor der Kennedybrücke dudelt im Player "Take A Look Around " von Limp Bizkit und es braucht bis zur zweiten Strophe, bis ich schnalle, dass ich mich da in einen derben Interessenskonflikt gebucht habe. Der zweite zu erfüllende Traum ist nämlich am 9.6. – DAS Konzert, das ich nach gut acht Jahren endlich nachholen kann. Limp Bizkit in Orginalbesetzung mit Wes Borland und Fred in alt, fett und hässlich (wer es nicht glaubt, hier).
Und genau zu diesem Datum bin ich in der Hauptstadt der Welt!!!!

Bis zum Schanzenpark habe ich mir das potentiell verpasste Konzert madig geredet. Was wollen sie schon groß spielen? Die großen Pop-Hits aus "Chocolate Starfish and Hot Dog Flavoured Water" werden heruntergeschrammelt werden, die schlechteste Coverversion aller Zeiten (Behind Blue Eyes), natürlich die "Klassiker" Break Stuff und Nookie zum Aufheizen und wenn man Glück hat vielleicht noch die brachialen Brecher Pollution und Nobody Loves Me.
Ich meine, welches Publikum soll denn überhaupt bedient werden? Palituchtragende Festivalgirls, die Zuhause die Kooks dudeln lassen und den Starschnitt von Wes Borland im Zimmer des großen Bruders immer für den frühen Marilyn Manson hielten? Die "alten" Fans in meinem Alter? Sicher nicht, die haben Limp damals schon live gesehen, die Band nach einmaligem hören von "My Generation" zu recht abgelegt und sich mittlerweile dem guten Geschmack zugewandt. Ich sehe mich in Gedanken zwischen Dorftrotteln rocken, die sich auch mit Ende Zwanzig von ihrer langen Mähne nicht trennen möchten aber Baggyhosen und Sneakers tragen, zwischen Mädels, die ein bisschen jünger sind als ich und glauben, Fred Durst wäre heute immer noch ein heißer feuchter Traum. Grässlich.
Ich sehe mich dort stehen, mit irgendeiner Verlegenheitsbegleitung neben mir ("Eva, du kaufst zwei Karten?" – "Ja, irgendjemand wird schon mitgehen." Zitat nach Bestellung der Tickets.) die von Limp nur "Eat You Alive" kennt, das "eigentlich ganz gut fand" und sich für 45 Euro jetzt mal den Rest ansehen will. Seien wir ehrlich. Die Perlen werden sie nicht spielen. Kein Creamer, kein Almost Over, kein Sour, kein Re-arranged, kein Don't Go Off Wandering, kein Trust.
Und wer weiß, wie lange sie spielen. Sie werden all ihre Energie vorher auf den Großfestivals verballern, aufgerieben werden sie sein auf der Bühne und nach 55 Minuten ist das Konzert beendet, weil Wes und Fred sich mal wieder streiten.

Also kaufe ich Limp-Tickets für Berlin, werde die Hamburg Tickets kurz vorher mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Gewinn abstoßen können und habe somit die Fahrtkosten nach Berlin wieder drin und bin damit superpreiswert aus dem Traum-Dilemma entkommen.

Und das wars dann für immer mit der scheiß Träumerei. Punkt. Aus.

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