6.10.08

"I think Melbourne wants to be like Berlin"

Sagte das nette Maedchen im Infostand zum Fringe-Festival zu mir. Sie hat Anfang des Jahres drei Wochen in Berlin verbracht und mit ihrer Aussage trifft sie es wohl ganz gut. Melbourne hat am meisten Europa bisher mit drin... Endlich gibt es mehrstoeckige Altbauten, der Bahnhof wurde um die Jahrhundertwende gebaut und gegenueber ist der Federation Square mit modernsten architektonischen Experimenten. Es gibt Kultur, Film, Performance und alles, was ein anstaendiger Mitteleuropaeer so braucht, um sich wohlzufuehlen. Grafitti, internationale Kueche, Hochaeuser, alte Kirchen, stylische Leute, etc. Jaja, ich weiss, Eva immer mit ihrem Europa und man faehrt ja schliesslich nicht in ein anderes Land um das zu sehen, was man Zuhause hat. Das ist ja wie nach Aegypten fahren und Schnitzel essen wollen. Ich weiss, ich weiss.

Das Auschecken aus dem graesslichen Bev&Micks-Hostel und die Sehnsucht nach einer Dusche liessen sich nicht wirklich problemlos vereinbaren: Als wir um halb acht morgens unsere Schluessel abgeben wollen, ist noch niemand da. Ab zehn oder halb zehn sagt man uns. Also Zeug ins Zimmer geschmissen und ueber die Strasse auf den Victoria Market, fruehstuecken. Langsam verstehe ich, wie sich obdachlose Menschen fuehlen. Kein warmer Platz zum Abhaengen. Zum Kotzen. Fuer die bei der guenstigen Uebernachtung eingesparten 10 Dollar lassen wir uns mit dem Taxi zum naechsten Hostel bringen. Das Greenhouse liegt ultra zentral in einem Hochhaus (Rezeption im 6. Stock) und dort treffen wir beim Einchecken auch Chris den Schotten wieder, der mit uns auch die Tour nach MEL gemacht hat. (Fuer alle, die es nun wirklich genau wissen wollen: "You are not supposed to wear anything underneath a kilt")
Unser Zimmer ist Hosteldurchschnitt, aber fuer mich eines der schlimmsten: kein Fenster. Plus deutsche Travelworkerinnen auf dem Zimmer... Plus Kartenschluessel, von denen natuerlich einer wieder nicht funktioniert. Richtig, meiner naemlich.
Aber nach einer Dusche sieht die Welt ganz anders aus. Erst recht, wenn man sich mit den anderen auf einen sonnigen Kaffee trifft. Maria ist bereits auf dem Sprung, sie fliegt nachmittags weiter nach Tasmanien aber mit Becky verabreden wir uns fuer abends auf ein Bier.
Und abends bin ich ziemlich ueberfordert. Samstagabend brezeln sich alle ohne Ausnahme auf. Keine Frau traegt Jeans oder Sneakers. Ich bin gefangen in einem Wald aus Roecken, Kleidern und High Heels. Die Kerle tragen alle Hemden und schicke Schuhe. Ich fuehle mich mit meinem Elmo-Pulli ein bisschen underdressed, aber ein Guiness im Pub entschaedigt mich fuer alles. Wir gucken englischen Fussball und hoeren Ballermann-Musik dazu.

Am naechsten Tag laufen wir die Stadt ab und danach gehts nach Fitzroy, einem noerdlich der City gelegenen Stadteil. Dummerweise hat sonntags nicht viel offen, nur der Crumpler-Store und der interessiert mich nicht wirklich.
Nachdem wir einen Nachtbus nach Canberra haben und jetzt wieder den ganzen Tag heimatlos sind, plane ich, nochmal dorthin zu gehen und mir das nochmal genauer anzuschauen.

Canberra hat uebrigens nur ein Hostel und das ist teuer und 4 km von der City entfernt. Checkin ist mittags um eins. Wir kommen morgen frueh um 7.30 an.

Track des Tages: Jimmy Eat World - Here It Goes

kleiner Vokabelhelfer: handkerchief - Stofftaschentuch

PS: Dank summerlight saving (Zeitumstellung) sind wir euch jetzt 9 Stunden voraus.

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