18.10.08

Surfen vs Snowboarden

Manche Dinge starten schlecht. Das bestellte Taxi faehrt am Montagmorgen an mir vorbei und verpennt wie ich bin steige ich an der Central Station in den falschen Bus und muss an irgendeiner Raststaette im Nirgendwo die Busse tauschen. Waere vielleicht nicht passiert, wenn man beim Einsteigen meinen Namen und meine Buchung gecheckt haette.
In der Surf-Gruppe sind erstaunlich viele Maedchen, noch mehr Englaender und wir landen mittags mitten im Wald im Surfcamp. Von einem Strand weit und breit nix zu sehen. Duschen und Toiletten sind unter aller Kanone, werden mit irgendeinem stinkenden Suesswasser aus irgendeinem Tank gespeist und weil wir alle unsere Handtuecher im Schlafsaal trocknen ist die Geruchskirmes nach drei Naechten zu viel fuer meine Nase.
Nachmittags geht es los mit dem Surfen. Wir bekommen alle dicke Wetsuits und schwere Softboards in die Hand gedrueckt. Das Briefing geht recht flott und als wir am ersten Tag fertig sind mit Surfen wissen wir theoretisch auch, wie man auf dem Brett steht, nur geklappt hat es nicht sooo besonders.
Am Dienstag machen wir alle Fortschritte, je nach Wellen ist Aufstehen und geradeaus eine Welle entlangsurfen (Drop Tight) nicht besonders schwer. Wir lernen ausserdem, wie man hinter die Brandung paddelt und von dort auf die Wellen geht. Wichtigste Lektion: Surfen ist 80% Paddeln, 20% Surfen. Dylan, unser Surflehrer, hat ja sooo recht. Am naechsten Tag sind wir kraftlos ohne Ende. Die Wellen sind scheisse, es regnet, und ich habe weder Kraft zu paddeln, geschweige denn meinen Koerper anzuheben, damit ich mich aufs Brett stellen kann.
Ich spare mir jetzt weitere Beschreibungen meiner Fortschritte, es sei gesagt, dass ich auf jeden Fall Blut geleckt habe und mir ueberlege, hier in Byron Bay fuer einen Tag nochmal ein Board zu leihen. Schliesslich habe ich einen fuenftaegigen Surfkurs unfallfrei ueberstanden. Das ist so viel besser als Snowboarden, damals hab ich mir nach zwei Stunden Kurs das Kreuzband angerissen (nur nochmal fuer alle, die die Geschichte nicht kennen).
Das Abendprogramm der Tour war allerdings eher maessig. Am Dienstag Abend gibt es eine grosse Party mit mehr oder weniger saudummen Trinkspielen. Sprich: Natuerliche Selektion der spaeteren Sexpartner. Mir ist das alles irgendwie zu sehr Abiparty und jeden Tag Trinken um am naechsten Tag mit Kater aufs Brett zu gehen ist nicht so meins. Im Bus nach Byron wird auf den einzelnen Fahrten auch getrunken...
Wir erreichen Byron Bay vier Stunden spaeter als geplant, weil der Bus kaputt war, und eigentlich habe ich keinen Bock auf die Abschlussparty in einem Laden, der "Cheeky Monkeys" heisst, aber ich habe einen Coupon fuer einen gratis Drink und den kann ich ja nicht verfallen lassen! Meine Befuerchtungen werden noch ueberboten: Diese Bar ist ein beschissener Drecksladen. Ballermann auf winzigsten Raum zusammengepfercht. Leute, die einen staendig anfassen, schlechte Musik und alle finden es soooo cool. Als irgendeine extrem gutgelaunte Tussi anfaengt, einen Tisch aufzuraeumen und alle dort verbleibenden Getraenke zusammenschuettet und damit auch mein verbleibendes halbes Bier in die Binsen geht, ist mein Aggressionspotential schon ueber das ertraegliche Mass gestiegen. Als mich irgendein besoffener Typ fragt, warum ich nicht besser und enthusiastischer tanze (Platzmangel, keine Lust, scheiss Mucke, s.o.), bin ich raus. Besser fuer alle, ich bin kurz davor, handgreiflich zu werden. Ich verabschiede mich von meiner Surfgruppe, die alle sagen, dass man ja ueber Facebook in Kontakt bleiben werde. Ich nicke und haue ab. Dass niemand von denen meine Email-Adresse oder meinen kompletten Namen hat, erwaehne ich nicht.

Dafuer ist heute ein sonniger, wunderschoener Samstag, Byron Bay ein ganz netter gemuetlicher Ort (soweit ich das nach einem ersten Gang zum Supermarkt und zurueck beurteilen kann) und ich hab das dritte oder vierte Mal in diesem Urlaub heute ausgeschlafen. Morgen werde ich zum Leuchtturm gehen, an den oestlichsten Punkt Australiens.
Mehr Details morgen oder so.

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