Wer weiss, wie Canberra die Hauptstadt von Australien wurde, wird zustimmen koennen, dass es dort in der Tat nicht besonders viel zu sehen gibt: Nachdem man sich zwischen Melbourne und Sidney nicht einigen konnte, wurde ein Ort mittem im Busch ausgewaehlt und dank eines Architekten geplant und gebaut. Der Stadtplan sieht interessant aus aber in der Stadt selbst ist nichts besonders architektonisch beeindruckend. Bisher natuerlich. Wir waren ja auch noch nicht auf dem Capital Hill.
Einchecken im Hostel um halb acht Uhr morgens ist nicht moeglich, das wissen wir ja bereits, aber dass unser Gepaeck wie sonst immer ueblich und moeglich aufgrund von Platzmangel wegen Renovierungsarbeiten nicht aufbewahrt werden kann traegt nicht sonderlich zur Stimmung bei. Eigentlich will ich duschen und noch eine Runde pennen. Durch die Rucksaecke sind wir einen halben Tag lang zur Bewegungslosigkeit verdammt. Im Klartext: Wir gehen zwei Ecken weiter in die Mall (Canberra Center) und haengen da bis mittags ab. So lustig wie bei Jay und Silent Bob in dem Film Mallrats ist es bei uns allerdings nicht. Ich kaempfe mit bleierner Muedigkeit. Die Mall an sich gibt auch nicht viel her.
Syl findet Canberra eine Scheiss-Stadt, ich spare mir ein Urteil, weil ich bisher weder besonders viel gesehen habe noch aufgrund der 17 Kilo auf meinem Ruecken und der Ungeduschtheit vielleicht voreingenommen sein koennte.
"You look tired" sagt das lilahaarige Maedchen an der Rezeption. Ach.
Nachdem wir das Gepaeck abgelegt haben, schlendern wir ein bisschen durch die relativ unspektakulaere Fussgaengerzone: Ein paar Laeden mit modernen Klamotten, Fastfood aller asiatischen Laender, Schulkids. Diverse Kamerashops. Ein aelterer Mann geht mit seinem Lama spazieren. Es ist noch jung und klein, man darf es anfassen und ich habe Beweisfotos. Folgen.
Ansonsten passierte heute nicht viel ausser einer lauwarmen Dusche, einem dreistuendigen Nachmittagsschlaf mit extrem wirrer Traeumerei und einem dicken Abendessen beim Inder.
Apropos Essen: Indisch wird hier langsam aber sicher mein Lieblingsfutter. Australisches Essen ist ja mit englischer Kueche gleichzusetzen und daher abgesehen von den diversen Beef- und Meatpies eher gewuerzlos. Indisch ist da ein prima Gegenpol und meist auch so guenstig, dass man getrost viel ordern und hinterher noch einen exotischen Nachtisch nachschieben kann.
Syl hat die lauwarme Dusche noch vor sich, wir beide morgen den Weg auf den Capital Hill und dann haben wir fast eine ganze Woche in Sydney, wo wir auch die anderen Leute von der Great Ocean Tour wieder treffen werden: Christoph, den 20jaehrigen Pfaelzer, ein unglaublich lieber Kerl, der grade versucht, ein Cooler zu sein und lustig Dialekt spricht ("ah, da koennt isch misch uffrege!"), Rebecca, die Englaenderin, mit der wir in Melbourne auf ein Bierchen sind, vielleicht sogar Maria, von der ich aber nicht weiss, wann sie von ihrer Tour nach Tasmanien wieder kommt. Chris, der Schotte ist in Melbourne geblieben, er verbring bis Ende des Monats seine Zeit dort, bis er dann wieder nach Hause fliegt zu seinem Kilt.
Uebrigens: Erwaehnte ich, dass das australische Klopapier einlagig ist? Beim Inder vorhin gab es dreilagiges. Ich konnte es mir nicht verkneifen, die verbleibende Rolle mitgehen zu lassen. Syl gestand mir, sie haette sich das auch schon ueberlegt.
Ach ja, noch was. Es ist uebrigens eine gaengige Frage unter Backpackern, was man von Zuhause vermisst. Nein, bei mir ist es nicht das Brot, sondern die Autobahn, das Klopapier und "an average amount of cute guys". Nur so zum Gucken. Denn selbst die Surfer an der Great Ocean Road waren ueber vierzig und...Na ja.
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